Schiedsrichter

Die Schiedsrichter der HF Köllertal stellen sich vor

Die Saison 2019/20 hat bereits begonnen und uns schon einige spannende Partien beschert. Mein Name ist Simon Weißbrod und ich bin Schiedsrichterwart der HF Köllertal. Für die neue Saison wurde mir die Aufgabe übergeben, die Schiedsrichter aus unseren Reihen einmal vorzustellen. Aus diesem Grund habe ich jeden Schiedsrichter gebeten, mir doch einen kurzen „Steckbrief“ über sich zu verfassen.

Helge Gilcher:
Hallo, ich bin 48 Jahre alt und seit 1985 Schiedsrichter. Zeitweise war ich bis zur heutigen 3. Liga (damals SWHV Regionalliga) im Leistungsbereich tätig. Aus Zeitgründen inzwischen nur noch im Bereich des Saarlandes mit Jutta Christmann zusammen, als Saarlandligagespann Christmann/Gilcher.
Warum pfeife ich? Naja, der Handballvirus hat einen in der Jugend gepackt und lässt einen nicht mehr los. Ein wenig Fair Play auf den Platz zu bringen und bei der Durchführung der Spiele einen Beitrag zu leisten, das geht nicht ohne SR.

Jutta Christmann:
Mein Name ist Jutta Christmann und ich pfeife seit 1985. Motivator war Sigurd, er war der damalige SR Lehrwart. Wir waren mindestens 10 SR im Verein und es wurden Gespanne gebildet. Außerdem hat er uns regelmäßig beobachtet – mit Erfolg!
Ich pfeife mit Helge jetzt bestimmt schon 16 Jahre im Gespann und bin in der Saarlandliga tätig.

Tom Wagner:
Ich bin 25 Jahre alt und Schiedsrichter seit 2010/11. Angefangen habe ich, da ich sowieso Handball gespielt habe. Ich wollte das Pfeifen einfach mal ausprobieren und bin, weil es mir gefallen hat, dabeigeblieben.

Yannick Wagner:
Mein Name ist Yannick Wagner und ich bin 15 Jahre jung. Angefangen habe ich 2017 bei uns im Verein im JpJ-Programm.
Seit diesem Jahr pfeife ich meine ersten Jugendspiele außerhalb der heimischen Halle. Ich spiele selber schon länger Handball und das Interesse am Job des Schiedsrichters kam durch meine Geschwister Tom und Nathalie Wagner, die auch beide als SR tätig sind.

Thomas Müller:
Ich bin Schiedsrichter seit 1985, habe im Laufe meiner Schiedsrichtertätigkeit auch zwei Jahre in der damaligen Regionalliga Süd-West und einige Jahre in der RPS-Oberliga gepfiffen. Bis zur Saison 2017/2018 war ich im Gespann bis zur Saarlandliga tätig, seit der Saison 2018/2019 pfeife ich aus gesundheitlichen Gründen nur noch Einzel.
Angefangen als Schiedsrichter habe ich, weil ich als Spieler oft mit den Entscheidungen anderer Schiedsrichter nicht einverstanden war und mir sagte, dass ich das viel besser könne.

Wolfgang Klein:
Hallo, mein Name ist Wolfgang Klein. Hier einige (manchmal nicht ganz ernst gemeinte) Daten: Alter: 39 (laut einem älteren Pass), 82 (derzeit gefühlt, mit Rollator), 57 (laut aktuellem Ausweis).
Seit wann im Geschäft: 1. Saison als 1/2 Schiedsrichter.
Warum pfeife ich: Viel zu wenig Schiedsrichter vorhanden. Vor allem laufen auch viele weniger gute Schiedsrichter in unseren Hallen rum. Mein Ziel ist es, mindestens 10% besser zu pfeifen als manch andere.

Pascal Oeser:
Guten Tag, mein Name ist Pascal, ich bin 27 Jahre alt und habe im jugendlichen Alter angefangen zu pfeifen. Seit 2012 pfeife ich mit meinem Gespannspartner Nicolas zusammen.
Angefangen zu pfeifen habe ich, damit Nico auch mal in den Genuss kommen kann, höherklassig zu pfeifen 😉

Nicolas Gilcher:
Ich heiße Nicolas Gilcher und bin 27 Jahre alt. Angefangen zu pfeifen habe ich, weil ich die Schiedsrichterwelt bereichern wollte, da es schon genügend Pfeifen gibt.

Leon Arweiler:
Hallo! Mein Name ist Leon Arweiler und ich stehe noch vor dem Beginn meiner Schiedsrichterkarriere. Durch einen Aufruf des HV Saar, der auf den letzten Anwärterlehrgang in diesem Jahr hingewiesen hat, wurde das Interesse in mir geweckt und ich habe mich angemeldet.

Sigurd Gilcher:
Mein Name ist Sigurd Gilcher, ich bin geboren am 04.05.1945. Einige Daten zu meiner „SR-Laufbahn“:
seit 1975/76 Handballschiedsrichter; 1981-1996 Spielleitungen im Südwestdeutschen Handballverband (heute 3.Liga DHB) 1984-1992 Verbandsschiedsrichterlehrwart; 1996-2004 Schiedsrichterbeobachter im Südwestdeutschen Handballverband
Grund dafür, dass ich mich 1975/76, als Abteilungsleiter Handball, Trainer und Vorstandsmitglied, auch noch als SR zur Verfügung stellte, war der gleiche wie heute: der notorische SR-Mangel!!
Ich hatte damals die Bedingung gestellt, dass ich mich nur zur Verfügung stelle, wenn gleichzeitig noch mindestens zwei weitere Handballkameraden dazu bereit wären. In der Tat meldeten sich mit mir noch Karl-Heinz Schmidt, genannt „Bagger“, der auch mein erster Gespannspartner wurde, Harry Aubertin und ein weiterer Handballkamerad, dessen Name mir aber nicht mehr gegenwärtig ist.
Diese Aktion und die permanente Werbung innerhalb unserer Handballabteilung führte dazu, dass der TuS Riegelsberg in den 90er Jahren über 20 aktive SR verfügte und im Verbandsgebiet den Beinamen „Schiedsrichterverein“ erhielt.
Wir waren vom TuS Riegelsberg über einige Jahre hinweg mit 3 SR-Gespannen im damaligen SWHV vertreten (Aubertin H./Gilcher S., Gilcher O./Krames J. sowie Frohnhöfer P./Gilcher H.)

Simon Weißbrod:
Zu guter Letzt stelle ich mich ebenfalls noch etwas ausführlicher vor: Ich bin 18 Jahre alt und habe mit 13 Jahren begonnen zu pfeifen. Ich war zwei Jahre lang tätig in unserem JpJ-Programm und habe danach begonnen, in den unterschiedlichsten Hallen des Saarlandes zu pfeifen.
Seitdem ich 16 bin, pfeife ich zusammen mit meinem Gespannspartner Till Egler. Mittlerweile haben wir uns bis in die Jugend Oberliga gekämpft und pfeifen aktiv in der Saarlandliga Herren. Außerdem bin ich seit nun knapp zwei Jahren im Amt des Schiedsrichterwartes bei der HF Köllertal tätig.
Mit vier Jahren habe ich angefangen, Handball zu spielen und das Interesse an der Arbeit des Schiedsrichters war schon immer groß. Grund dafür war, das Handballspiel aus einer anderen, im Idealfall neutralen Sicht zu erleben und Entscheidungen selber treffen zu können. Auch durch meine Position als Torwart hatte ich, wenn meine Mannschaft im Angriff war, genügend Zeit, den Schiedsrichter zu beobachten, wodurch ebenfalls mein Interesse geweckt wurde, auch irgendwann mal in dieser Position zu sein.

Die Zukunft des Handballsports: Wird der Schiedsrichtermangel in Zukunft zu einem schwerwiegenden Problem?

Die Saison 2018/19 hat begonnen, es ist Heimspieltag in der heimischen Halle und viele Zuschauer sind zum ersten Saisonspiel der neu gebildeten 3. Herrenmannschaft in der B-Liga West gekommen. Alle 14 Spieler stehen auf dem Feld und warten; sie warten darauf, dass sich ein Zuschauer nach langem Fragen und Betteln dazu bereit erklärt, die Pfeife in die Hand zu nehmen und freiwillig ein Punktspiel der eigenen Kameraden zu leiten.

Grund dafür ist der Schiedsrichtermangel!

Für den Verband ist es mittlerweile nicht mehr möglich, alle Spiele, die an einem Wochenende ausgetragen werden, mit Schiedsrichtern zu besetzten. Aus diesem Grund bleibt keine andere Möglichkeit, als dass die niedrigste Spielklasse einfach nicht mehr besetzt wird. Aktuell können wir noch von Glück sprechen, dass die Zahlen der Schiedsrichter nicht mehr so rapide fallen, dass auch weitere Spielklassen unbesetzt bleiben müssen. Aber auch in den sogenannten „gespannspflichtigen Klassen“, also Spielebenen, in denen im Idealfall zwei Schiedsrichter eingesetzt werden sollen, kommt es immer öfter vor, dass Schiedsrichter alleine auf dem Feld stehen. Betroffen ist hiervon unter anderem die Verbandsliga der Herren.

Doch warum setzt sich der Negativtrend der Schiedsrichterzahlen fort?

Ein Grund hierfür ist, dass in den letzten Jahren einige ältere Kollegen ihre Laufbahn größtenteils aus Altersgründen beenden mussten und dem HV Saar somit nicht mehr viele erfahrene Schiedsrichter zur Verfügung stehen. Schiedsrichterwart Björn Iversen sagt dazu: „Die Zahl ist seit Jahren rückläufig, teils wegen des demographischen Wandels, aber auch wegen des Weggangs der jüngeren Kollegen aus Studiengründen. Auch der Wandel der Gesellschaft hin zur rein individuellen Freizeitgestaltung spielt eine Rolle, denn SR sein heißt auch, sich längerfristig terminlich zu binden, aber auch Verantwortung zu übernehmen und die Konsequenzen aus dieser Verantwortung zu tragen. Das ist ein generelles gesellschaftliches Problem.“

Ein weiterer und mit der wichtigste Grund ist der Respekt, der Respekt der gegenüber vielen Schiedsrichtern wenig bis gar nicht mehr gezeigt wird! Hierbei handelt es sich jedoch nicht nur um unzufriedene und zum Teil auch aggressive Zuschauer, die diesen Respekt nicht zeigen bzw. nicht zeigen können, sondern auch um Trainer und Spieler, die selber auf der Platte stehen, oder im schlimmsten Fall sogar Schiedsrichterkollegen. Viele Beteiligten denken sich beim Anblick des Schiedsrichters: „Oh nein, nicht der schon wieder, der pfeift sowieso nur wegen des Geldes und kann nix.“

Doch bei dieser Aussage handelt es sich um einen völligen Trugschluss. Jedes Wochenende sind 100 Schiedsrichter aus einem einzigen Grund in den unterschiedlichsten Hallen im Saarland unterwegs: Der Spaß am Pfeifen und die Freude am Handballsport!

Zu diesem Problem äußerte sich Björn Iversen folgendermaßen: „Außerdem die Art und Weise, wie in den Hallen mit den SR umgegangen wird. Gerade die jungen Nachwuchs-SR bekommen nicht die Zeit, um sich zu entwickeln, sondern werden niedergeschrien, angemotzt, beschimpft und beleidigt. Man kann sagen, da hat die Verrohung der Sprache aus den sozialen Netzwerken sich schon im Sport durchgesetzt. Da würde ich mir als Lehrwart wünschen, dass seitens der Heimvereine auch mal darauf geachtet wird, wie sich die Zuschauer benehmen und gegebenenfalls auch mal eingegriffen wird.“

Ich persönliche finde, dass diese zwei Aspekte, der Spaß und die Freude am Handball, egal, welche Funktion man in der Halle hat, wertvoller und wichtiger sind als jedes Tor, das geworfen wird, jeder Pfiff, der vom Schiedsrichter kommt und jedes Ergebnis, welches am Ende eines Spiels an der Anzeigetafel steht. Und wenn sich nun jeder einmal an die eigene Nase packt und sich vornimmt, beim nächsten Besuch einer Handballhalle auch nur ein wenig dazu beizutragen, dass der Spaß und die Freude erhalten bleiben, sind wir dem Ziel eines fairen und vor allem gerechten Sports schon ein großes Stück näher.

Dieser Bericht soll jedoch nicht einzig und allein dazu dienen, den Beteiligten, die sich am Spielfeldrand nicht immer vorbildlich verhalten, einen Vorwurf zu machen, sondern soll vor allem ein Aufruf sein. Und zwar an die Menschen, die Interesse an dem Job des Handballschiedsrichters haben, aber noch nicht zu 100% die Überzeugung gefunden haben. Ob alt oder jung, jeder kann es schaffen, mit ein bisschen Ehrgeiz und etwas Handballkenntnis sich zu einem guten Schiedsrichter zu entwickeln. Entscheidend hierfür ist aber auch die Betreuung der „Neulinge“.

Die perfekte Lösung für dieses Problem bietet ein schon seit längerer Zeit laufendes Programm, das den Namen „Jugend pfeift Jugend“ trägt. Das Programm sieht vor, dass interessierte Jugendspieler an einem Lehrgang an der Sportschule teilnehmen um grundlegende Infos über die Schiedsrichterei zu erhalten und anschließend an Heimspielwochenenden Spiele der F- bis D-Jugend leiten. Dabei werden die Jungschiedsrichter jedoch nicht ins kalte Wasser geworfen, sondern haben stets einen „Aufpasser“ und Ansprechpartner an ihrer Seite, der im Nachhinein Fragen klärt, das Spiel bespricht und Tipps für weitere Spiele gibt.

Ein Beispiel aus unseren Reihen ist Yannick Wagner, der seit dieser Saison als richtiger Schiedsrichter unterwegs ist und bereits jetzt in seinem jungen Alter, auch durch die intensive Betreuung während seiner 2-jährigen JpJ-Zeit, stets eine sehr gute Leistung auf dem Feld zeigt. Aber auch „alte Hasen“, wie zum Beispiel Wolfgang Klein, der ebenfalls diese Saison als Schiedsrichter gestartet ist, zeigen großes und häufig unentdecktes Potential auf ihrem Gebiet.

Zum Ende dieses Berichtes bleiben mir nur noch zwei Dinge zu sagen:

Als erstes, ein großes Dankeschön an alle aktiven, reaktivierten oder zur Ruhe gekommenen Schiedsrichter, die sich jedes Wochenende aufs Neue in die Halle begeben oder viele Jahre lang begeben haben, um ein oder sogar mehrere Handballspiele zu leiten, auch wenn dies nicht immer einfach war oder ist. Damit tragen sie einen großen Teil dazu bei, dass unser schöner Sport weiter bestehen kann.

Zum anderen ein Aufruf an alle Interessierten: „Genug SR kann man nie haben“, erklärt Björn Iversen. „Mit der derzeitigen Zahl können wir den Spielbetrieb gerade noch so aufrechterhalten, aber die Zahl der älteren Kollegen, die aufhören, wird zunehmen und da kommen nicht genügend junge Kollegen nach. Um wieder ein bisschen leistungsmäßig differenzieren und auch fördern zu können, bräuchten wir 250 SR.“ Also meldet euch und probiert es aus! Es lohnt sich und ist eine Erfahrung wert, das Spiel mal aus einer anderen Perspektive zu sehen und mit einer anderen Verantwortung auf dem Platz zu stehen.

Bei Fragen oder Anmerkungen stehe ich euch jederzeit per Mail zur Verfügung.

Simon Weißbrod (Schiedsrichterwart HF Köllertal)